Bahnhöfe werden unsicherer: Gewalt und Sexualdelikte nehmen trotz sinkender Kriminalität zu

Gewalt und sexuelle Übergriffe an Bahnhöfen und in Zügen nehmen zu. Trotz sinkender Gesamtkriminalität zeigt der Jahresbericht der Bundespolizei 2024 eine angespannte Lage: mehr Gewaltdelikte, häufig unter Alkohol- und Drogeneinfluss, überwiegend männliche Verdächtige, ein hoher Anteil ohne deutsche Staatsangehörigkeit und eine Polizei am Limit.
Ein Bundespolizist kontrolliert einen jungen Mann im Hauptbahnhof Hannover. Die Maßnahmen sind Teil eines bundesweiten Schwerpunkteinsatzes an gewaltbelasteten Bahnhöfen.
Ein Bundespolizist kontrolliert einen jungen Mann im Hauptbahnhof Hannover. Die Maßnahmen sind Teil eines bundesweiten Schwerpunkteinsatzes an gewaltbelasteten Bahnhöfen.Foto: Moritz Frankenberg/dpa
Von 27. November 2025

In Kürze:

  • Bundespolizei registriert 27.160 Gewaltdelikte an Bahnhöfen und in Zügen – plus 6,6 Prozent
  • Anstieg der Gewalt seit 2019 um 51 Prozent
  • 19,2 Prozent mehr Sexualdelikte im Bahnbereich
  • Täterprofil: 79 Prozent männlich, 49 Prozent alkohol-/drogenbeeinflusst, 53 Prozent nicht deutsch
  • Bundespolizei verstärkt Präsenz, richtet Waffenverbotszonen ein und modernisiert Videoüberwachung

 

Am Montag, 24. November, hat die Bundespolizei ihren Bericht für das Jahr 2024 vorgelegt. In dessen Mittelpunkt steht eine bilanzierende Rückschau über das Einsatzgeschehen und das Arbeitsumfeld der Polizeibeamten. Die zentralen Ereignisse aus Sicht der Bundespolizei waren im Vorjahr die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland, die Unterstützung der Olympischen Spiele in Paris und die verstärkten Binnengrenzkontrollen. Darüber hinaus geht es jedoch auch um allgemeine Trends, wobei deutsche Bahnhöfe zunehmend in den Blickpunkt gerieten.

Weniger Straftaten insgesamt – aber kein relevanter Einfluss auf Sicherheitsgefühl

Zwar ist die Zahl der registrierten Straftaten 2024 insgesamt um 18,8 Prozent auf etwa 640.000 Fälle gesunken. Ein relevanter Faktor war dabei ein deutlicher Rückgang bei strafbaren Handlungen gegen das Aufenthaltsgesetz. Hingegen bleibt die Entwicklung in Bereichen besorgniserregend, die den Alltag und das öffentliche Sicherheitsempfinden berühren.

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Die Zahl angezeigter Gewaltdelikte ist gegenüber dem Vorjahr um 6,6 Prozent, im Vergleich zu 2019 sogar um 51 Prozent gestiegen. Bei den Sexualdelikten gab es ein Plus von 13 Prozent gegenüber 2023. Zudem wurden mehr Verstöße gegen das Waffengesetz registriert. Der Rückgang der Gesamtkriminalität spiegelt sich damit nicht im Sicherheitsgefühl der Bevölkerung wider.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Bundespolizeigewerkschaft, Manuel Ostermann, erklärte in diesem Kontext gegenüber „Euronews“: „Die Zahl der Straftaten insgesamt ist gesunken, doch dort, wo es wirklich darauf ankommt, sieht es schlecht aus.“

Bahnhöfe als Schwerpunkte im Kriminalitätsgeschehen

Allein an den Bahnhöfen und in Zügen verzeichnete die Bundespolizei im Vorjahr 27.160 Gewaltdelikte. Ein Plus von 19,2 Prozent gab es bei Sexualdelikten – von Exhibitionismus bis hin zu sexueller Belästigung und Vergewaltigung. Insgesamt gab es im Umfeld des Bahnverkehrs, also an Bahnhöfen oder in Zügen, 381.894 Straftaten und damit 10,1 Prozent weniger als noch 2023.

Dennoch hat gerade die Zunahme der Gewalt- und Sexualdelikte das Sicherheitsempfinden in der Öffentlichkeit erheblich belastet. Zudem beschränkt sich das Kriminalitätsgeschehen nicht primär auf Großstadtbahnhöfe. Auch kleine und sogar ländliche Bahnhöfe sind diesem Phänomen zusätzlich ausgesetzt. Nach wie vor haftet vielen Reisenden der tödliche Messerangriff von Brokstedt im Januar 2023 im Gedächtnis.

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Es gibt in Deutschland etwa 5.700 Bahnhöfe und Haltepunkte der Eisenbahnen des Bundes. Das Schienennetz umfasst 33.478 Streckenkilometer. Der Bund hat mit seinem „Sicherheitspaket“ vom Vorjahr auch das Waffengesetz verschärft und der Polizei neue Befugnisse zur Sicherstellung gefährlicher Gegenstände eingeräumt. Beamte haben nun auch mehr Möglichkeiten, Personen auf Schlagringe oder Springmesser zu kontrollieren. Dazu hat die Bundespolizei allein im Vorjahr bundesweit 38 lageangepasste und zeitlich befristete Allgemeinverfügungen erlassen.

Ostermann: DB AG soll mehr Verantwortung für ihre Bahnhöfe übernehmen

Um der Entwicklung gegenzusteuern, setzt die Exekutive verstärkt auch auf Technologie. Zusammen mit der Deutschen Bahn AG hat die Bundespolizei an bundesweit 143 Bahnhöfen nach eigenen Angaben die Videotechnik modernisiert. Seit 2012 habe sich die Zahl der Kameras fast verdoppelt. Insgesamt seien nun etwa 11.000 Kameras an rund 750 Bahnhöfen im Einsatz.

Seit 2019 gibt es ein gemeinsames Projekt von DB AG und Bundespolizei – mit der Folge, dass diese die Zahl der aufgeklärten Straftaten seit dieser Zeit verdreifachen konnte. Zudem forsche man gemeinsam an intelligenten Videoanalysesystemen und anderen innovativen Technologien, die helfen sollen, Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen und schnelle Reaktionen zu ermöglichen.

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Es gebe längst auch eine erhöhte Präsenz und verstärkte Gefährderansprachen, heißt es in dem Bericht. Ostermann fordert dennoch zusätzliche Beiträge von der Deutschen Bahn zur Sicherheit von Bahnhöfen: „Sie muss auch selbst ihre Bahnhöfe mit mehr Sicherheitspersonal schützen. Bahnhöfe müssen grundsätzlich schneller modernisiert werden.“

Der Polizeigewerkschafter unterstreicht dabei auch die Bedeutung gut beleuchteter und sauberer Bahnhöfe. Auch hierauf zu achten, stelle eine Form der Prävention von Straftaten dar.

Fehlen stabiler familiärer und sozialer Verhältnisse als Brandbeschleuniger

Ostermann erläutert gegenüber „Euronews“, dass sich bezüglich der Kriminalität im Kontext von Bahnhöfen, ein klares Täterprofil ergebe. Zum einen seien 79 Prozent der Tatverdächtigen männlich. Etwa die Hälfte der strafbaren Handlungen fänden unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen statt.

Zudem seien 53 Prozent der Tatverdächtigen keine deutschen Staatsangehörigen und wiesen häufig einen Bezug zu Asylhauptherkunftsländern auf. Vielfach seien auch Polizeibeamte selbst Ziel von Übergriffen – von Beleidigungen und Spuckattacken bis hin zu körperlichen Übergriffen.

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Der Polizeigewerkschafter sieht überforderte Familienstrukturen und eine fehlende soziale Infrastruktur als treibende Kräfte hinter der Entwicklung. Vor allem unter jungen Männern seien Tendenzen hin zur Verharmlosung zu bemerken. Streetworker, Lehrkräfte oder andere Institutionen könnten diese nicht auffangen. Dies mache das Zielpublikum auch für Extremisten ansprechbar.



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