Nach Campact-Kampagne: dm-Chef fordert nüchterne Auseinandersetzung mit der AfD
In Kürze:
- Campact kritisiert dm öffentlich im Zusammenhang mit der geänderten Einladungspolitik des Familienunternehmer-Verbands.
- Christoph Werner stellt klar: dm ist seit Monaten kein Mitglied mehr.
- Rossmann und Fritz-Kola traten wegen der veränderten Haltung des Verbands zur AfD aus.
- Werner fordert eine sachliche Auseinandersetzung mit der AfD statt „Brandmauer“-Symbolik.
Die Diskussion um den Wirtschaftsverband „Die Familienunternehmer“ hat in den vergangenen Tagen neue Brisanz gewonnen. Der Verband hatte beschlossen, sein bisheriges Kontaktverbot gegenüber der AfD aufzugeben und erstmals Vertreter der Partei zu einem Parlamentarischen Abend einzuladen. Dieser Schritt wurde von vielen Unternehmen als Signal einer politischen Öffnung gewertet und führte zu Distanzierungen sowie mehreren Austritten.
Vor diesem Hintergrund entstand erheblicher öffentlicher Druck auf verschiedene Mitgliedsunternehmen. Besonders im Fokus stand die Drogeriemarktkette dm, nachdem die Organisation Campact eine Kampagne gestartet hatte, um Firmen zu einem Austritt aus dem Verband zu bewegen.
In diesem aufgeheizten Umfeld hat sich nun dm-Chef Christoph Werner zu Wort gemeldet. Er erklärte dem Verband bereits seit „vielen Monaten“ nicht mehr anzugehören. Daher sehe sich dm nicht mehr in der Rolle, innerverbandliche Entscheidungen zu kommentieren oder zu beeinflussen. Zum Jahresende wäre angedacht gewesen, dies mitzuteilen, äußerte der Unternehmer gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“.
Seine Stellungnahme erfolgte vor dem Hintergrund der Campact-Kampagne, die mehrere Unternehmen angeschrieben und aufgefordert hatte, ihre Mitgliedschaft im Verband ausdrücklich zu bestätigen oder zurückzuweisen. Eine ausbleibende Antwort sollte dabei als stillschweigende Bestätigung einer Zugehörigkeit gewertet werden.
Campact startet Social-Media-Kampagne gegen dm
Campact kündigte an, Unternehmen, die im Verband verbleiben, möglicherweise öffentlich zu kritisieren oder zum Boykott aufzurufen. Einen solchen hat Campact zumindest jüngst gegen dm gerichtet. Auf Facebook stellte Campact die Reaktionen der Drogeriemarktketten Rossmann und dm bezüglich der geänderten Einladungspolitik des Familienunternehmer-Verbandes gegenüber der AfD dar und setzte sie in Kontrast zueinander.
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Der Verband hatte im Oktober entgegen seiner vorherigen Praxis Vertreter aller im Bundestag vertretenen Parteien zu einem Parlamentarischen Abend eingeladen. Dieser fand in einer Niederlassung der Deutschen Bank in Berlin statt. Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann hatte gegenüber dem „Handelsblatt“ bestätigt, dass es kein „Kontaktverbot“ mehr zu AfD-Bundestagsabgeordneten gebe.
Zwar grenzte sich Ostermann namens ihres 6.600 Mitgliedsunternehmen umfassenden Verbandes inhaltlich von der vom Verfassungsschutz beobachteten Partei ab. Gleichzeitig erklärte sie jedoch die Politik der „moralischen Ausgrenzung“ gegenüber der AfD für gescheitert und forderte eine inhaltliche Auseinandersetzung.
Rossmann und Fritz Kola gehen auf Distanz zum Familienunternehmer-Verband
Vielen ging diese Gesprächsbereitschaft zu weit. Die Deutsche Bank kündigte ihren Nutzungsvertrag mit dem Familienunternehmer-Verband, sodass dieser seine Veranstaltungen künftig anderswo abhalten muss. Unternehmen wie Rossmann und Fritz Kola verließen aufgrund der veränderten Verbandspolitik die Vereinigung. Vorwerk erklärte nach anfänglichem Zögern ebenfalls seinen Austritt.
Der VereinCampact wollte jedoch speziell dm dazu drängen, es den Branchenkollegen von Rossmann gleichzutun. Man forderte seine Follower auf, dm zu taggen oder in Kommentaren auf dessen Seiten aufzufordern, „sich gegen die AfD und für die Brandmauer einzusetzen“. Als „mächtiges Mitglied“ habe dm „einen erheblichen Einfluss auf den Verband und auf andere deutsche Unternehmen“. Diesen müsse das Unternehmen „jetzt nutzen, um sich klar gegen die AfD zu positionieren“.
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Der Chef von dm, Christoph Werner, hatte am Wochenende erklärt, er halte die Einladung aller im Bundestag vertretenen Parteien zu einem Parlamentarischen Abend für legitim. Statt permanent nur über andere Parteien zu sprechen, sollten politisch Verantwortliche sich „in der Tiefe mit den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger beschäftigen und Lösungen anbieten, die überzeugen und wirksam sind“.
Werner: Diabolisierung der AfD überzeugt ihre Wähler nicht
Der Unternehmenschef erklärte, er lehne „eine polarisierende Brandmauer-Debatte ebenso entschieden ab wie Positionen der Partei AfD, welche die freiheitlich-demokratische Grundordnung infrage stellen“. Er setze sich „für eine inhaltlich sachliche und tiefgründige Auseinandersetzung“ mit der Partei ein. Die Partei zu „diabolisieren“, schade der Demokratie in gleicher Weise wie verfassungsfeindliche Positionen, die diese vertrete.
Es gehe ihm darum, so Werner, die Wähler zu überzeugen, dass die AfD wegen vieler inhaltlicher Positionierungen nicht wählbar sei. Die Partei einfach nur zu verdammen, reiche dafür nicht aus. Die AfD würde nach seiner Überzeugung an Rückhalt verlieren, würde sich die Bundesregierung „endlich mit den wahren Nöten der Menschen da draußen“ befassen.
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Der dm-Chef erklärte, dass er jetzt Kritik erfahre, bestätige ihn darin, dass „die differenzierte Auseinandersetzung wichtig ist“. Es sei jedoch in einem rauen gesellschaftspolitischen Klima, das in Social-Media-Foren „möglicherweise von Bots zusätzlich angeheizt wird“, mit ausgleichenden und differenzierten Meinungen durchzudringen.
Campact sieht Kampagne als erfolgreich
Bei Campact sieht man sich trotz der Aussage Werners, dm sei bereits seit längerem gar nicht mehr Mitglied im Familienunternehmer-Verband, als Sieger. Auf Facebook heißt es, dm „beugt sich dem Druck, den Tausende in den letzten Stunden gemacht haben, und distanziert sich vom Lobbyverband“.
Das zeige, dass „Protest wirkt“. Einen Wermutstropfen sieht man dennoch: „Der dm-Chef verweigert aber ein Bekenntnis zur Brandmauer und hält daran fest, Gespräche mit der rechtsextremen AfD zu suchen. Dabei zeigt ein Blick in unsere Geschichte: Diese Taktik geht nicht auf. Die AfD lehnt zentrale Prinzipien der Demokratie ab – sie darf kein normaler Gesprächspartner sein.“
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