Kohle und Erdgas gefragt: Zweite Novemberdunkelflaute treibt Strompreise hoch
In Kürze:
- Geringe Wind- und Sonnenenergie sorgen derzeit erneut für eine sogenannte Dunkelflaute in Deutschland.
- Die Netzbetreiber müssen verstärkt Kohle- und Gaskraftwerke hochfahren.
- Das geringe Angebot an erneuerbarer Erzeugung führt an der Strombörse zu Preisen von bis zu rund 400 Euro pro Megawattstunde.
- Ein Ausblick zeigt, wie lange die Dunkelflaute noch andauern könnte.
Erst vor gut zwei Wochen endete die erste Dunkelflaute in diesem Winterhalbjahr. Seit Montagabend, 24. November, ist Deutschland erneut zu einer Schwachwindzone geworden. Hinzu kommt weitestgehend bewölkter Himmel, der kaum Sonnenlicht durchlässt.
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Dadurch produzieren viele Wind– und Solaranlagen derzeit deutlich weniger Strom als üblich. Die Stromausbeute dieser beiden wetterabhängigen erneuerbaren Energiequellen sank am Dienstagmittag auf eine kombinierte Leistung von 11,6 Gigawatt (GW). Gleichzeitig lag der gesamtdeutsche Stromverbrauch bei rund 72,6 GW, wie die Daten des Energieportals „Energy Charts“ zeigen.
Der bisherige Leistungstiefpunkt dieser Dunkelflaute war am Montagmorgen gegen 06:15 Uhr. Solar brachte zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Dunkelheit noch keine Leistung. Die Windkraftanlagen auf See und an Land brachten es auf weniger als 4,9 GW.

Die Nettostromerzeugung in Deutschland vom 24. bis 25. November 2025. Foto: Bildschirmfoto/energy-charts.info/Fraunhofer ISE
Mehr Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken
Damit die Netzbetreiber den Bedarf von teils mehr als 72 GW decken können, müssen sie die Leistung anderer flexibler Energiequellen abrufen. Die übrigen erneuerbaren Energien wie Wasserkraft, Biomasse und Geothermie stehen jedoch nur in begrenztem Umfang zur Verfügung. Alle Erneuerbaren konnten am Dienstagmittag in Summe nur rund 18,5 GW zur Stromerzeugung beitragen.
Damit mussten rund 54 GW durch andere Energiequellen bereitgestellt werden. Die Netzbetreiber fuhren dazu die Leistung der Kohle- und Gaskraftwerke in der Bundesrepublik hoch. Diese Kraftwerke stellten den größten Teil der benötigten Leistung bereit.
Die Stein- und Braunkohlekraftwerke leisteten zwischenzeitlich mehr als 19,5 GW, bei Erdgas kletterte die Leistung zwischenzeitlich bis auf 19 GW. Dadurch steigt auch der Bedarf an Gas aus den nationalen Speichern. Aktueller Stand (23.11.2025): 70,6 Prozent.

Fossile Kraftwerke übernehmen aktuell einen großen Teil der Stromproduktion. Foto: Bildschirmfoto Electricity Maps
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Im Bereich der Kohleverstromung muss Deutschland aktuell mit einem Großkraftwerk weniger auskommen. Ein Brand im Braunkohlekraftwerk Schkopau bei Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt von vergangener Woche hat zum Ausfall der Anlage geführt.
Am Montag verkündete der Betreiber, die Saale Energie GmbH, dass „die entstandenen Schäden begrenzt“ seien. Daher könne „bereits Ende der Woche der Kraftwerksbetrieb wieder aufgenommen werden“.
In der aktuellen Dunkelflaute kann das größte Kraftwerk Sachsen-Anhalts jedoch nicht aushelfen. Der Betreiber betonte erneut, dass bis zur Wiederinbetriebnahme „die Energieversorgungssicherheit weiterhin vom Netzbetreiber durch den Einsatz anderer Kraftwerke gewährleistet“ wird.
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Teurer Strom
Ebenso kauften die Netzbetreiber Strom von den umliegenden Nachbarländern. Am meisten davon kam am Dienstag von den Niederlanden. Seit 06:00 Uhr erhielt die Bundesrepublik von dem Nachbarland konstant zwischen 4 und 5 GW.
Der grenzüberschreitende Stromhandel mit allen Nachbarn brachte Deutschland nochmals in Summe bis zu 12,8 GW an Leistung.
Die hohe Nachfrage nach gesicherter Leistung ließ die Preise an der Strombörse deutlich steigen. Am Dienstag schwankte dieser zwischen 90 und 400 Euro pro Megawattstunde (€/MWh). Zum Vergleich: Der Durchschnittspreis von 2024 lag bei 78,01 €/MWh. In diesem Jahr befindet er sich aktuell bei 85,47 €/MWh.
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Wie ist die Wetter-/Stromaussicht?
Der starke Ausbau von Windkraft und Solar hat die Wetterprognose zu einem wichtigen Bestandteil der Planung der kurzfristigen Stromversorgung gemacht.
In den kommenden Tagen dürften die Windgeschwindigkeiten über Deutschland laut dem Windportal „windradar.org“ niedrig bleiben. Am Dienstag lagen diese je nach Standort bei 1 bis 11 Kilometer pro Stunde (km/h). Windkraftanlagen benötigen Windgeschwindigkeiten von mindestens rund 10 km/h, um überhaupt anzulaufen.
Am Mittwoch könnten die Windgeschwindigkeiten der Vorhersage zufolge auf bis zu 15 km/h steigen. Am Donnerstag könnte der Wind im hohen Norden wieder bis zu 25 km/h erreichen. Im Süden Deutschlands dürften die Windgeschwindigkeiten dem Portal zufolge aber größtenteils noch einstellig bleiben. Die höchste Leistung erreichen die meisten Windkraftanlagen bei mittleren Windgeschwindigkeiten zwischen etwa 40 und 60 km/h.
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Ab Donnerstag erwarten Meteorologen wieder stärkere Winde, wodurch sich die aktuelle Dunkelflaute voraussichtlich abschwächen dürfte.
Die Solarenergie spielt in den kommenden Tagen laut Wetterbericht weiterhin eine untergeordnete Rolle. Es bleibe überwiegend bewölkt über Deutschland – am Mittwoch noch stärker als am Dienstag. Am Donnerstag könnte die Sonne mancherorts wieder einen Weg durch die Wolkendecke finden.
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