Gesund essen im Alltag – einfacher und schneller als Fertigprodukte

Sie sind oft billig und schnell verzehrbereit: Viele Menschen greifen gern zu hochverarbeiteten Lebensmitteln. Unternehmen machen damit Gewinn – doch Käufer riskieren ihre Gesundheit, warnen Fachleute.
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Der Ausweg aus der Ultraverarbeiteten-Falle: So geht es wirklich.Foto: monticelllo/ iStock
Epoch Times20. November 2025

Tiefkühlpizza, Burger-Patties, Knuspermüsli – solche Lebensmittel sind lecker, praktisch und allgegenwärtig. Doch was auf den ersten Blick nach bequemer, schneller Mahlzeit aussieht, kann der Gesundheit langfristig schaden.

Die zunehmend von hochverarbeiteten Lebensmitteln dominierte Ernährung trage zum weltweiten Anstieg von Fettleibigkeit, Diabetes und psychischen Erkrankungen bei, warnte Phillip Baker von der Universität Sydney (Australien), Mitautor einer umfassenden Analyse zum Thema.

Nötig sei eine starke globale Reaktion ähnlich wie bei den koordinierten Bemühungen gegen die Tabakindustrie, bilanziert das Team.

Sind UPFs ein weltweiter Trend?

Der zunehmende Anteil ultraverarbeiteter Lebensmittel an der menschlichen Ernährung werde durch die wachsende wirtschaftliche und politische Macht der UPF-Industrie (englisch „ultra-processed food“, kurz UPF) nahezu überall vorangetrieben, sagte das Expertenteam.

Mit einem jährlichen Umsatz von rund 1,9 Billionen US-Dollar im Jahr 2023 sei der Sektor bereits der profitabelste Teil der globalen Lebensmittelindustrie, Tendenz steigend.

Besonders in einkommensschwachen Ländern sei der Verkauf zuletzt stark gestiegen. In einkommensstarken Ländern wie den USA oder Großbritannien liege der Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel an der täglichen Nahrungsaufnahme bereits bei bis zu 50 Prozent.

„Der steigende Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel verändert weltweit die Ernährungsgewohnheiten und verdrängt frische und minimal verarbeitete Lebensmittel und Mahlzeiten“, sagte Carlos Monteiro von der Universität São Paulo (Brasilien).

Wie sieht es in Deutschland aus?

„In einer Marktanalyse mit über 24.000 Lebensmitteln konnte meine Arbeitsgruppe zeigen, dass etwa die Hälfte der in deutschen Supermärkten angebotenen Produkte hochverarbeitet ist“, sagte der Ernährungswissenschaftler Mathias Fasshauer von der Justus-Liebig-Universität Gießen, der selbst nicht an der „Lancet“-Analyse beteiligt war.

Deutschland sei eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Absatz an hochverarbeiteten Lebensmitteln, erklärte der Gesundheitsökonom Peter von Philipsborn von der Universität Bayreuth und weiter: „Studien zeigen übereinstimmend, dass in Deutschland weniger frische, gering verarbeitete Lebensmittel verzehrt werden als empfohlen, während Produkte wie Softdrinks, Süßwaren, salzige Snacks und verarbeitetes Fleisch häufiger als empfohlen verzehrt werden.“

Warum sind die Produkte so erfolgreich?

Die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten werde von mächtigen globalen Konzernen vorangetrieben, die durch hochverarbeitete Produkte enorme Gewinne erzielten, sagte Monteiro. Durch umfangreiches Marketing und politische Lobbyarbeit verhinderten sie wirksame Maßnahmen zur Förderung einer gesunden Ernährung.

Für den Nutzer sind die Produkte bequem: Eine Tiefkühlpizza ist in wenigen Minuten fertig – für die Selbstgemachte aus dem Ofen muss dagegen Teig angesetzt, Gemüse geschnippelt und Käse gerieben werden. Zudem sind Fertigprodukte wegen der billigen Zutaten und automatisierten Herstellungsprozesse oft sehr günstig, wie die Forschenden erklären.

Viele Menschen könnten sich eine gesunde Ernährung gar nicht mehr leisten, geben Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem Kommentar zu den „Lancet“-Beiträgen zu bedenken.

„Lebensmittel, die Bestandteil einer gesunden Ernährung sind, wie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte, werden für viele immer unerschwinglicher, während Lebensmittelprodukte, die heute als hochverarbeitete Lebensmittel (UPFs) bekannt sind, preiswert und weltweit weit verbreitet sind.“

Warum sehen Gesundheitsexperten die Entwicklung so kritisch?

Dutzende Studien zeigen den „Lancet“-Autoren zufolge, dass eine Ernährung mit hohem UPF-Anteil (englisch „ultra-processed food“, kurz UPF) mit übermäßigem Essen, schlechter Nährstoffqualität (zu viel Zucker und ungesunde Fette, zu wenig Ballaststoffe und Proteine) und einer höheren Belastung durch schädliche Chemikalien und Zusatzstoffe einhergeht.

Dadurch werde das Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen erhöht, darunter Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen.

Diese Folgen spielten auch in Deutschland eine große Rolle, erklärte von Philipsborn, der selbst nicht an der „Lancet“-Studie beteiligt war. Etwa ein Viertel aller Erwachsenen sei von Adipositas betroffen.

„Starkes Übergewicht hat häufig Krankheiten wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Arthrose zur Folge. Dies trägt zu den in Deutschland im internationalen Vergleich sehr hohen Gesundheitskosten und Krankenstand bei.“

Die UPF-Industrie räume dem Unternehmensgewinn Vorrang vor der öffentlichen Gesundheit ein, heißt es bei „Lancet“. Die weltweite Verbreitung hochverarbeiteter Lebensmittel sei zu einer der dringendsten, aber unzureichend behandelten Bedrohungen für die menschliche Gesundheit im 21. Jahrhundert geworden, warnt das Kinderhilfswerk Unicef in einem Kommentar zu den Fachbeiträgen.

Kinder seien besonders anfällig für hochverarbeitete Lebensmittel und deren schädliche Wirkung, heißt es darin auch. Zugleich seien Kindertagesstätten, Schulen und nahegelegene Einzelhandelsgeschäfte, Sport- und Freizeiteinrichtungen häufig mit UPF überschwemmt – auch durch Sponsoring-Vereinbarungen, die den Konsum von UPF normalisieren.

Unicef bilanziert: „Angesichts der zunehmenden Beweise, die einen Zusammenhang zwischen UPFs und ultraverarbeiteten Ernährungsmustern und Unterernährung sowie gesundheitlichen Problemen bei Kindern herstellen, stellt sich nicht die Frage, ob Handlungsbedarf besteht, sondern warum so viele Länder noch keine sinnvollen Maßnahmen ergriffen haben.“

Snack gesund: Diese Tricks machen den Unterschied

Statt sich von Fertiggerichten und stark verarbeiteten Snacks abhängig zu machen, lohnt es sich, einfache Alternativen selbst zuzubereiten – schnell, günstig und ohne fragwürdige Inhaltsstoffe:
  • So lässt sich zum Beispiel eine Tiefkühlpizza ganz leicht durch einen selbst belegten Vollkorn-Wrap ersetzen: Hummus, etwas Ofengemüse, Rucola und Feta – das Ganze dauert keine zehn Minuten und kommt ganz ohne künstliche Zutaten aus.
  • Statt Tiefkühlpommes kann man im Ofen Kartoffelspalten mit Olivenöl und Rosmarin rösten, dazu passt ein schneller Dip aus Naturjoghurt, Zitronensaft und Kräutern.
  • Auch für den süßen Hunger zwischendurch gibt es bessere Optionen: Mit Datteln, Haferflocken, Kakao und etwas Nussmus lassen sich in wenigen Minuten kleine Energie-Bällchen rollen – ganz ohne Industriezucker.

Selbst, wenn man im Supermarkt nur schnell einen Mittagssnack sucht, lassen sich UPFs leicht vermeiden. Viele typische Angebote wie fertige Sandwiches mit Mayonnaise und Wurst aus Formfleisch, aromatisierte Joghurts, Proteinriegel oder fertige Salate mit Zucker-Dressings enthalten eine ganze Palette an Zusatzstoffen und zählen damit klar zu den UPFs. Doch es geht auch anders – mit ein paar kleinen Umstellungen kann man sich dort auch ohne viel Aufwand eine bessere, alltagstaugliche Mahlzeit zusammenstellen.

Zum Beispiel:

  • Ein frisches Vollkornbrötchen mit etwas Natur-Frischkäse und einem Apfel dazu – das sättigt und kommt ganz ohne künstliche Zusätze aus.
  • Wer lieber löffelt, kann zu einem ungesüßten Naturjoghurt greifen und diesen mit frischen Beeren oder einem Stück Obst sowie einer Handvoll Nüssen kombinieren.
  • Auch Rohkoststicks mit Hummus oder Guacamole, wie sie mittlerweile in vielen Kühlregalen zu finden sind, sind eine gute Alternative zu Fertigsnacks.
  • Gekochte Eier, kleine Käseportionen, Cocktailtomaten und ein Körnerbrötchen ergeben ebenfalls eine ausgewogene, unkomplizierte Mahlzeit direkt aus dem Marktregal.

Wer beim Salatbuffet oder an der heißen Theke zugreift, sollte auf panierte, stark gewürzte oder fertige Produkte mit Saucen verzichten und lieber auf naturbelassene Zutaten setzen – etwa gegartes Gemüse, Kartoffeln, Eier oder Hülsenfrüchte mit etwas Öl und Essig. So lässt sich auch unterwegs oder in der Mittagspause ganz unkompliziert eine UPF-ärmere Wahl treffen – ganz ohne dogmatischen Verzicht.

Entscheidung im Supermarkt

Hilfreich ist es auch, im Supermarkt einen kurzen Blick auf die Inhaltsstoffe zu werfen. „Wenn dort chemische Namen oder unbekannte Inhaltsstoffe stehen, lassen Sie am besten die Finger davon“, sagte Michelle Bacarella, zertifizierte Ernährungsberaterin gegenüber Epoch Times.
Wem das zu kompliziert ist, kann es sich noch einfacher machen: Ein Hinweis auf stark verarbeitete Lebensmittel sind auch lange Inhaltslisten. Je mehr dort aufgelistet ist, egal was, desto eher sollte man die Packung im Regal liegen lassen.

Mit Material von dpa.



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