Angst- und Schlafmittel können das ALS-Risiko um bis zu 34 Prozent erhöhen

Die Ergebnisse einer neuen Studie weisen darauf hin, dass die regelmäßige Einnahme von Psychopharmaka mit einem erhöhten Risiko für eine schwere Erkrankung des Nervensystems in Verbindung steht.
Titelbild
Schwedische Studie: Gängige Schlaf- und Angstmittel könnten das ALS-Risiko stark erhöhen – bei manchen Medikamenten um über 35 Prozent. Ein kausaler Zusammenhang ist nicht bewiesen, doch die Forscher fordern bessere Langzeitbeobachtungen der Millionen Betroffenen.Foto: Yuliia Kaveshnikova/ iStock
Von 24. November 2025

Eine neue schwedische Studie warnt: Menschen, die regelmäßig gängige Angstmedikamente oder Schlafmittel einnehmen, könnten ein deutlich erhöhtes Risiko haben, an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) zu erkranken. Bei manchen Psychopharmaka lag das Risiko in der Untersuchung sogar um mehr als ein Drittel höher.

Zwar belegt die Studie keinen direkten Kausalzusammenhang, also dass die Medikamente ALS eindeutig auslösen, doch die Ergebnisse sind laut den Studienautoren alarmierend genug. Sie fordern eine intensivere langfristige Überwachung der Millionen Menschen, die weltweit auf solche Präparate angewiesen sind.

ALS ist eine unheilbare, fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, bei der die Betroffenen nach und nach die Kontrolle über Bewegungen, Sprache und schließlich auch das Schlucken und Atmen verlieren.

Wichtigste Ergebnisse

Die in „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie analysierte landesweite Gesundheitsdaten und fand heraus, dass Patienten, denen Medikamente gegen Angstzustände verschrieben wurden, ein um 34 Prozent erhöhtes Risiko hatten, an einer Motoneuronerkrankung zu erkranken, während Antidepressiva das Risiko um 26 Prozent und Beruhigungsmittel um 21 Prozent erhöhten.

ALS-Patienten, die zuvor Psychopharmaka eingenommen hatten, zeigten ein schnelleres Fortschreiten der Krankheit und einen schnelleren Rückgang der motorischen Fähigkeiten sowie eine kürzere Überlebenszeit.

Trotz des erhöhten Risikos im Zusammenhang mit Psychopharmaka ist laut der Studie das Lebenszeitrisiko für ALS bei der Allgemeinbevölkerung, die keine Fälle der Nervenerkrankung in der Familienanamnese haben, nach wie vor gering und liegt bei weniger als einem Prozent.

[etd-related posts=“4648492″]

Psychiatrische Erkrankungen im Zusammenhang mit ALS

„Sobald ALS einsetzt, haben wir keine Möglichkeit, es zu stoppen oder umzukehren“, erklärte Dr. Kimberly Idoko, Neurologin und medizinische Direktorin bei Everwell Neuro in den USA, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber Epoch Times.

Die Krankheit forderte beispielsweise das Leben des Physikers Stephen Hawking, der jahrzehntelang mit ihr gelebt hatte, obwohl die durchschnittliche Überlebenszeit nach einer ALS-Diagnose in der Regel zwei bis fünf Jahre beträgt.

Die Autoren der Studie stellten fest, dass Depressionen, Angstzustände und Schlafstörungen schädliche Auswirkungen auf die Gehirnzellen haben können. Diese können zu strukturellen Veränderungen im Gehirn führen, die mit der Entwicklung von ALS einhergehen.

Sie betonten, dass die Ergebnisse darauf hindeuten, dass bei der Verschreibung von Psychopharmaka Vorsicht geboten ist, und legen nahe, dass die psychische Gesundheit die Entwicklung und den Verlauf von ALS beeinflussen kann.

Es gäbe noch viel, was wir über ALS nicht vollständig verstehen, „aber klar ist, dass psychiatrische Symptome manchmal Jahre vor motorischen Symptomen auftreten können“, erklärte Daniel Glazer, ein klinischer Psychologe in eigener Praxis, der früher für den britischen staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service) tätig war und nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber Epoch Times.

Frühere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass neuropsychiatrische Symptome wie Angstzustände und Depressionen vor dem Auftreten motorischer Symptome auftreten können.

Eine andere Theorie befasst sich mit biologischen Mechanismen.

„ALS geht mit oxidativem Stress und Immunschwäche einher“, sagte Idoko. Es sei möglich, dass einige Psychopharmaka diese Mechanismen beeinflussen oder dass psychiatrische Erkrankungen selbst ein Vorläufersymptom von ALS sein könnten, merkte sie an.

Idoko sagte, dass die Studie zwar „zweifellos“ Beachtung verdiene, insbesondere wegen der Erkenntnis, dass die Krankheit bei Patienten, die Psychopharmaka einnehmen, schneller fortschreitet. Dennoch sei sie spekulativ und vorläufig.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Anxiety and Sleep Medications May Increase ALS Risk Up to 34 Percent“. (deutsche Bearbeitung kr)



Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion