Vietnam-Abkommen bringt Wende: Washington geht gegen chinesische Zollumgehungstaktiken vor

Zu jenen Staaten, die mit den USA bereits über erneuerte Handelsabkommen verfügen, zählt Vietnam. Anfang des Monats verkündeten beide Parteien eine weitreichende Einigung. Mittlerweile werden Details bekannt – und diese haben auch einen Bezug zum kommunistischen Regime in China. Das Abkommen enthält nämlich auch eine Sonderabgabe von 40 Prozent auf sogenannte Transshipment-Waren. Dabei handelt es sich um Güter, die über Drittstaaten in die USA geliefert werden, mit dem Ziel, Zölle zu umgehen.
Nach Vietnam geliefert und dort umgepackt – wie Transshipment funktioniert
Das Transshipment gehört zu den speziell von China praktizierten Strategien, um höhere Zölle auf eigene Exporte zu vermeiden. Dazu liefern die Absender ihre Güter erst in ein anderes Land, dessen Zölle auf Exporte in die USA deutlich geringer sind. Anschließend wird die Ware minimal bearbeitet, umetikettiert oder umverpackt – in der Hoffnung, diese unbemerkt als Waren aus dem zwischengeschalteten Land einführen zu können.
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Vor allem seit Verhängung der sogenannten „Section 301“-Zölle auf chinesische Waren im Kontext der Fentanyl-Krise hatten die USA einen deutlichen Anstieg dieser Bemühungen festgestellt. Diese hatte das Weiße Haus im Jahr 2020 unter Berufung auf nationale Sicherheitsinteressen verhängt.
Der frühere Handelsberater des Weißen Hauses, Peter Navarro, erklärte gegenüber der englischsprachigen Epoch Times, bis zu einem Drittel aller Einfuhren aus Vietnam sei nicht authentisch. Vielmehr handele es sich um Elektronik, Kleidung und Möbel aus chinesischer Produktion, die mit einem „Made in Vietnam“-Label versehen waren.
Auch Kambodscha und mehrere andere Länder sind Drehscheiben für chinesische Exporte
Vietnam ist allerdings nicht das einzige Durchgangsland, über das China versucht, die US-Zölle zu umschiffen. Weitere Transshipment-Waren kämen über Kambodscha, Laos, Thailand, Indonesien oder Taiwan. In einigen Fällen habe die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) sogar versucht, diese Verschleierungstaktik bei Lieferungen über Mexiko, Kanada, Israel oder Sri Lanka anzuwenden.
Marty Bauer von der E-Commerce-Plattform Omnisend äußerte gegenüber der englischsprachigen Epoch Times, es sei kaum möglich, diese Praxis vollständig abzustellen, denn Schlupflöcher täten sich immer auf:
„Wo immer es einen Hafen und ein Freihandelsabkommen gibt, wird auch Transshipment betrieben.“
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Das war am Ende auch einer der Hauptgründe für die USA, ihren neuen Vertrag mit Vietnam nicht allein auf bilaterale Vereinbarungen zu gründen. Vielmehr enthält dieser jetzt auch strengere Regeln zur Herkunftskontrolle und Verhinderung von Zollumgehung.
Trump setzt Zeichen: Hohe Zölle auf getarnte Importe aus Fernost
US-Präsident Donald Trump erklärte, dass auf alle Waren, bei denen Verdacht auf Transshipment bestehe, der jeweils höhere Ursprungstarif Anwendung finde. Im Fall von Transshipment über Vietnam sei dies in vielen Fällen 40 Prozent. Im Fall von Laos, Thailand und Kambodscha betragen die Sonderzölle nun bis zu 36 Prozent.
Vietnams Finanzminister Nguyen Van Thang begrüßte das Abkommen. Er erhofft sich durch ein härteres Vorgehen gegen Transshipment längerfristig eigene Vorteile. So baut er darauf, dass internationale Unternehmen ihre Produktion lieber nach Vietnam verlagern, statt sie in China zu belassen. Schon jetzt ist das Land ein wichtiger Standort für Montage und Fertigung.
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Robert Khachatryan, Geschäftsführer von Freight Right Global Logistics, rechnet damit, dass chinesische Unternehmen nach noch weiteren Wegen suchen werden, die US-Zölle zu umgehen. Eine mögliche Option wäre eine tatsächliche Verlagerung in Drittstaaten („true offshoring“) oder ein Rückbau der Lieferketten.
US-Importeuren drohen Prüf- und Berichtspflichten sowie Verzögerungen
Zuletzt waren zahlreiche Zulieferstrukturen in der Region auf China ausgerichtet, auch US-Importeure müssen deshalb künftig ihre Lieferketten stärker unter die Lupe nehmen. So rechnet Khachatryan mit einer stärkeren Kontrolle der Transportwege von Waren und der Lieferketten:
„Wenn die Regierung Transshipment stärker verfolgt, wird das Auswirkungen auf das gesamte Import-Ökosystem haben.“
Die Folgen könnten unter anderem in zusätzlichen Prüf- und Berichtspflichten, möglichen Verzögerungen und Kostensteigerungen bestehen.
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Viele Unternehmen verlangten deshalb jetzt schon Herkunftsnachweise, setzten eigene Prüfverfahren ein oder nutzten sogenannte IoT-Technologie. Immerhin könnten auch ihnen aus den neuen Bestimmungen wirtschaftliche Verluste oder rechtliche Konsequenzen drohen.
Vorgehen gegen Transshipment könnte Vietnam langfristig selbst nutzen
Vietnam exportierte im Jahr 2024 Waren im Wert von rund 137 Milliarden US-Dollar in die USA – das entsprach einem Plus von über 19 Prozent. Ein Teil davon stammte jedoch möglicherweise tatsächlich aus China. Die Regierung in Hanoi will künftig daher auch selbst strenger prüfen, ob Produkte zu Recht das Label „Made in Vietnam“ tragen.
Das Land steht vor der Aufgabe, kurzfristige Transshipment-Gewinne gegen langfristige Handelsvorteile mit den USA abzuwägen. Langfristig würde eine Kooperation zuungunsten des Transshipments dem Land möglicherweise mehr an Investitionen und Vertrauen einbringen.
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